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| Rede zur Verbraucherpolitik (die ich auf dem 16. BDK von Bündnis90/Die Grünen in Stuttgart gern gehalten hätte, 11. März 2001) |
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Es ist viel von Verbraucherschutz, Verbraucherrechten und Verbraucherinteressen die Rede, aber was wirklich im Mittelpunkt gehört, ist VERBRAUCHERVERANTWORTUNG. Fast alles in dieser Welt geschieht - mittelbar oder unmittelbar - durch Geld. Das meiste, was wir tun, tun wir entweder mit oder für GELD. MONEY doesn't only make the world go round (GELD hält die Welt nicht nur in Bewegung), es bestimmt auch WOHIN die Reise (der Menschheit) geht und WIE wir dorthin kommen. Wenn Mensch, Tier und Umwelt missbraucht werden, wenn wir die Life-Support-Systeme unseres Planeten und damit auch unsere eigene Zukunft gefährden, ist es weil GELD damit verdient, dafür ausgegeben oder darin investiert wird. Geld (bzw. der verantwortungslose Umgang damit) ist die Ursache (fast) alle unserer Probleme. Eine besserer, verantwortungsvollere Umgang damit wäre die Lösung. Man zeigt gern mit dem Finger auf andere - aber es sind nicht nur andere, die verantwortungslos mit Geld umgehen. Es sind nicht nur die Reichen, die Banken und die Großindustrie. Es sind wir alle. Erst wenn wir unsere Verantwortung für das eigene Geld bewusst werden (wie wir es verdienen, aber vor allem wie wir es ausgeben oder investieren), werden wir wirklich damit anfangen, die Plünderung unseres Planeten zu beenden und die sich anbahnende Katastrophe abzuwenden. Das bisschen, was ich tun kann, ist nur ein kleines Tropfen auf den heißen Stein, klagen viele entmutigt. Das stimmt. Aber auch der größte, heißeste Stein wird kalt, wenn genügend Tropfen auf ihn fallen! Wir müssen auch erkennen, dass wir ein Problem mit unserem Wirtschaftssystem haben, das grundsätzlich nicht zukunftsfähig (non-sustainable) ist. Die fast "heiligen" Gründsätze des Systems heißen möglichst viel Effizienz, Produktivität, Konsum, Wachstum und Wettbewerb - immer noch! Im richtigen Verhältnis sind alle dieser Begriffe sinnvoll, aber so wie sie heute angewandt und über alles andere gestellt werden, führen, bzw. treiben sie uns in die Katastrophe. Ihre unverhältnismäßige Anwendung war für BSE direkt verantwortlich, um nur den aktuellsten Ausdruck des Wahnsinns zu nennen. Statt es "mad cow disease" zu nennen, wäre "mad man disease" oder mad economic disease" viel passender. Aber der Wahnsinn ist überall. Wir sehen ihn nur nicht, weil er uns so vertraut ist - so NORMAL. Wir orientieren uns am "Normalen" (an Normen halt), wobei "normal" gleichzeitig "gewöhnlich" und "in Ordnung" bedeutet. Zum Beispiel, ist es in Deutschland normal und gewöhnlich, dass hunderter Millionen DM Jahr für Jahr für die Zigarettenwerbung ausgegeben wird, obwohl jedes Jahr über 90.000 Bürger an den Folgen des Rauchens sterben. Ob das wirklich auch in Ordnung ist? Oder nehmen wir das Auto. In Deutschland - und der ganzen westlichen Welt - hat fast jeder sein eigenes Auto. Wir sind davon abhängig, nicht nur persönlich, sondern auch wirtschaftlich. Wenn wir viel weniger kaufen würden - was vernünftig wäre - hätten wir sofort eine Wirtschaftskrise! Nun, hat die Erde zur Zeit ca. 6 Milliarden Einwohner, die alle - u.a. sobald sie es sich finanziell leisten können - ein eigenes Auto haben wollen (und die Wirtschaft ermutigt sie noch dazu). Das ist die vertraute Wirklichkeit, die aber zur Katastrophe führen muss, denn das Klima und die lebensunterhaltenden Ökosysteme unseres Planeten stöhnen jetzt schon unter der Last von ca. 500 Millionen Fahrzeuge, eine Zahl die sich in den kommenden Jahrzehnten versechsfachen wird! So weit wird es aber nicht kommen, denn vorher werden die Life-Support-Systeme von Raumschiff Erde zusammenbrechen - was nicht nur für die Autofahrer Konsequenzen haben wird. Das realexistierende Sozialismus haben wir hinter uns gelassen und fahren fort auf dem Dampfer der kapitalistisch-soziallen freien Marktwirtschaft. Kein Zweifel, er ist das bessere Modell, aber sehr viel weiter werden wir auch mit ihm nicht kommen. Denn dieses Wirtschaftssystem plündert den Planeten aus, setzt auf menschliche Habgier und die Ausbeutung von Mensch, Tier und Umwelt. Im Westen zu mindest werden die negativsten Konsequenzen des Systems durch Sozial- und Umweltpolitik u.ä. gelindert, aber auf Dauer kann es nicht gut gehen. Das System verbraucht sein eigenes Kapital. Die Erde ist groß, ihre Ressourcen und Belastbarkeit enorm. Deswegen läuft alles bis jetzt so gut (für viele von uns), aber diese Zeiten werden in absehbare Zeit zu Ende gehen. Nach aktueller Grüner Politik zu urteilen (die in Sachen Nachhältigkeit immerhin die fortschrittlichste ist), würde man denken, wir hätte das ganze neue Jahrhundert Zeit oder noch länger, um Sustainability zu erreichen. Wir haben aber viel weniger Zeit, wahrscheinlich zu wenig. Es ist jetzt schon 5 - wenn nicht 10 - nach zwölf. Die Katastrophe kommt in den nächsten Jahrzehnten. Wir werden auf die Felsen (die Grenzen der Belastbarkeit unseres Planeten) laufen. Das wird aber nicht das Ende sein. Millionen werden wahrscheinlich sterben, aber das Schiff wird wieder flott gemacht. Die Frage ist, ob wir ein zweites und drittes Mal auf die Felsen fahren bis schließlich alle Menschen ausgestorben sind, oder ob es uns doch noch gelingt, nachhaltige Gesellschafts- und Wirtschaftsformen zu schaffen (vielfältig sollen sie sein - aber sustainable!). Wir müssen jetzt daran arbeiten, so wie an Bord eines untergehenden Schiffes man Rettungsflösse baut, und eine wirklich alternative (i.e. sustainable) Wirtschaft schaffen. Ich habe selber keinen fertigen Plan, aber eine gute Ahnung, wo und
wie es lang gehen könnte, und viele wichtige Ideen - so bilde ich
mir jedenfalls ein (or perhaps I have mad |